2010-12-13 , Hildesheimer Allgemeine Zeitung
Wenn Weihnachtsträume wahr werden:
Der Knabenchor Hildesheim und das Ensemble „Wir Salonlöwen“ begeistern das Publikum in der Basilika St. Godehard mit ihrer Musik
Von Birgit Jürgens
HILDESHEIM. Glatt ist es. Und kalt. Auch in der bestens besuchten Basilika St. Godehard herrschen keine heimeligen Temperaturen. Doch besonders der Knabenchor Hildesheim unter der bestimmten, genauen und auch temperamentvollen Leitung von Dr. Wolfgang Volpers kann schließlich die Kälte vertreiben. In unterschiedlichen Formationen dringt glanzvolles Licht in die Kirche. Und erst recht die rhythmisch aufgeheizten Versionen von „Amen“ oder „Amen Helena Sands“ – die zweite Zugabe – erwärmen. Denn in diesen Konzerthighlights können die Choristen und Bodypercussionisten solistisch und gemeinsam zeigen, dass in ihnen ein außerordentlich schwungvolles, mitreißendes Potential steckt.
Auch Volpers’ „So hört doch, ihr Leute“ gerät zum schwungvollen, rhythmisch sprühenden Klangzauber. Versiert, intonationsrein, textverständlich, technisch und musikalisch glänzend gelingt dieses Werk. Alle sind ganz bei der Sache, konzentriert, mit Freude an der Musik für die Musik. Doch die Choristen des Haupt- und Männerchors sind nicht allein gekommen, um dieses ganz besondere Adventskonzert zu präsentieren. Sie werden unterstützt von Andrea Schäl (Sopran), Gesine Frank (Alt), Paul Martin Schencke (Klavier) und dem 2006 gegründeten zehnköpfigen Salonorchester „Wir Salonlöwen“ unter der Leitung des Stehgeigers Oleg Zubarev, um „Ein(en)
Weihnachtstraum“ zu präsentieren. Allerdings dürften gleich zu Konzertbeginn einige Zuhörer etwas vermisst haben: den Chor. Denn Johann Sebastian Bachs Eingangschor aus dem Weihnachtsoratorium und Georg Friedrich Händels „Tochter Zion“ erklingen ohne Gesang. Stattdessen interpretiert das Salonorchester diese Werke und färbt sie romantisch. So zieht auch die Unterhaltung, ein Hauch des Populären, ein bisschen
André Rieu in diese populären E-Musik-Werke ein. Das Salonorchester geht vor allem in Peter I. Tschaikowskys „Marche“ aus der „Nussknacker-Suite“ oder erst recht in Richard Eilenbergs effektvoller „Petersburger Schlittenfahrt“ vollends auf. So wird besonders die schwungvolle, virtuose Fahrt zum Erlebnis: das prächtig aufeinander eingestimmte Ensemble nimmt im Galopp das Publikum mit auf eine Reise in weiße Weiten, ohne
vom Schlitten zu stürzen. Volpers verfremdet in seinen zahlreichen Arrangements, aber er verzerrt nicht, er überspannt den Bogen keineswegs. Und so erhält das Traditionelle auch in den Weihnachtsliedern „Was soll das
bedeuten?“ und „Stille Nacht“ seine Berechtigung. Hier verschmilzt Gewohntes mit merkwürdigen Modifikationen. Die Solistin Schäl gestaltet in diesen Beiträgen klar und klangschön ihre Partien. Und die Altistin Frank unterstreicht mit fließend weichen Tongebungen das Gewöhnlich-Ungewöhnliche. Gemeinsam mit sämtlichen übrigen Musikern verleihen die Solistinnen unter anderem diesen Werken den letzten Schliff. Auch so ist „Ein Weihnachtstraum“ wahr geworden..